Autor Thema: Arschlöcher  (Gelesen 6264 mal)

echt_weg

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Arschlöcher
« am: Oktober 07, 2012, 11:58:03 Vormittag »
Dann halt nicht  :(


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hurricane

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Re: Arschlöcher
« Antwort #1 am: Oktober 07, 2012, 05:01:04 Nachmittag »
die blöden Pisserfasser!

soll`n sich gehackt legen mit ihrem Inselfest...
das Leben ist ein Zuckerschlecken!

echt_weg

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Re: Arschlöcher
« Antwort #2 am: Oktober 08, 2012, 01:52:47 Nachmittag »
Und das hier könnte das ideale Alternativprogramm sein:
http://www.exitfest.org/en/tickets/germany

12-15 Juli in Serbien - Karten kosten ca. 95 EUR für 4 Tage

Man muss sich vorher hier registrieren: http://forms.sign-up.to/signup.php?fid=969&pid=15632


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hurricane

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Re: Arschlöcher
« Antwort #3 am: Oktober 13, 2012, 01:20:47 Vormittag »
Ja, das EXIT...

...damit hab ich mich 2007 mal intensiv beschäftigt...

der damalige ko-punkt war glaub ich, dass der Campingplatz ganz weit weg ist.

Die Musik is nich sooo toll...
Ich meine, dass das exit sogar mal 94 als Tchno-Festival gestartet ist.

ABER:
Serbien, warm, easy Leute, geile Lokation... macht schon sinn, irgendwie...



Vielleicht mit Hotel?
da fahren wir hin, oder was?! do, wa!

Hier gibts ne Doku aus 2012(?):

http://www.us3productions.com/exit-festival/


und hier ein "Bericht" den ich damals gespeichert habe.
ist aber von einem Nichtfestivalgänger geschrieben und nicht unbedingt aussagekräftig, finde ich. hab mir das auch nicht mehr alles durchgelesen...

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Feldforschungstagebuch

zum EXIT-Festival in Novi Sad (Serbien) von 6. - 9. Juli 2006

Arbeitsgruppe „Organisation des Festivals“

(Stefan K., Stefan B., Helmut Hödl)

Verfasser: Helmut Hödl

ANREISE:

Mittwoch, 5. Juli - Donnerstag, 6. Juli 2006

Um 17.26 Uhr wäre die Reise planmäßig am Grazer Hauptbahnhof losgegangen, doch da unser Zug um 15 Minuten Verspätung hat, muss unser Anschlusszug in Wien Südbahnhof extra auf unsere Reisegruppe warten, nachdem ein Schaffner so nett war, dies für uns telefonisch einzurichten. So ist von Anfang an Eile angesagt, dasselbe beim zweiten Umstieg in Bruck a. d. Leitha / Gramat Neusiedl um etwa 20.30 Uhr. Warum wir einen Umweg über Wien machen, ist mir bis jetzt nicht klar geworden, jedenfalls war es notwendig für unsere Reiseroute durch Ungarn in Richtung Belgrad. In unserem Waggon angekommen, können wir heilfroh sein, dass unsere Platzreservierungen im Vergleich zur Exkursion im Vorjahr Gültigkeit haben - wir beziehen Liegeabteile für je 6 Personen. Den Abend verbringe ich mit Stefan K. und Bier im Speisewaggon in einem sehr tiefgehenden Gespräch, zu dessen Ende per sms das Ergebnis des Fußball-WM-Halbfinales Frankreich gegen Portugal (1:0) eintrudelt. Ein sehr ausgiebiger Alkoholkonsum ist übrigens bei vielen Kolleginnen und (hauptsächlich) Kollegen festzustellen. In unser "Schlafgemach" begeben wir uns nach 23 Uhr, als der Zug Budapest erreicht. Sofort herrscht hier bei uns große Aufregung, denn ein Kollege hat in der Absicht, sein im Speisewaggon vergessenes Notebook zu holen, den Zug verlassen - und während dieser jenen Waggon abkoppelt und mehrmals die Gleise wechselt, kann unser Kollege unseren Zug trotz telefonischer Hilfe und eines etwa einstündigen Aufenthaltes nicht wieder finden und muss ohne Reisepass in Budapest zurückbleiben! Für ihn findet die Exkursion ein schnelles Ende.

Die Nacht, besonders auf den obersten, für die Länge unserer Beine zu kurzen Liegeflächen, verwöhnt uns nicht gerade mit ausgiebigem Schlaf, wozu noch das ungenierte Schnarchen eines Kollegen, für Stefan B. im Nebenabteil das lustige Gelächter bis tief in die Nacht hinein, und für uns alle der Lärm von anscheinend britischen Festivalbesuchern am Korridor und die zweimaligen Passkontrollen um zwei Uhr und halb fünf (an der serbischen Grenze) das Ihrige dazutun. Als wir uns langsam bereit machen zum Aussteigen, bleiben wir aber zu unser aller Unverständnis eine Stunde oder so an dieser Grenze stehen und setzen die Reise in den wunderschönen Morgenstunden bei Sonnenschein überm Horizont der agrarisch geprägten Pannonischen Tiefebene mit mehrmaligen "noch 15 Minuten"-Gerüchten fort. Vielleicht wollte man uns damit bloß bei Laune halten, denn Novi Sad erreichen wir schließlich erst mit knapp zweistündiger Verspätung um 6.45 Uhr.

Was nun? Ein Frühstück? Serbisches Geld beheben? Mehr als einen schwarzen Kaffee mit einer gehörigen Portion Sud im Häferl draußen bei einem Bahnhofscafé und endlos lange Warteschlangen bei der Wechselstube sowie dem einzigen ausfindig gemachten Bankomaten (wofür wir die Geduld nicht aufbringen) kann uns nicht geboten werden. Doch ist es uns möglich, den Kaffee mit Euro zu bezahlen, und er war obendrein äußerst billig (nur 85 Cent oder so). Aufsehen erregen dann bei mir gleich die erwartet alten Baujahre bei einigen PKWs und den City-Bussen, in einem von denen es dann auf der Suche nach unserem Hotel Duga ziemlich eng wurde. Der erste Eindruck von Novi Sad ist gar nicht so schlecht - da gibt es im Osten Ungarns "ostblockmäßigere" und grauere Städte. Das Wetter ist übrigens der Prognose entsprechend heiß. Nachdem Stefan B., Stefan K. und ich um ca. 8.15 Uhr unser 70-Euro-Zimmer in unserem leicht nobel wirkenden Hotel bezogen haben, überrascht uns auch das Badezimmer positiv. Doch an ein Ausschlafen ist an diesem schönen Vormittag hier in einem Vorort von Novi Sad nicht zu denken - zu verlockend ist eine kleine Erkundungstour. Gleich ums Eck können wir unsere Euro in serbische Dinar wechseln (für einen Euro bekommen wir 84 Dinar) und bei einem Kreisler Alkohol und etwas Warmes zum Frühstück um Spottpreise erstehen. So trotten wir zum Teil essend und zum anderen Teil mit Bier in Händen den Gehweg neben der lieblichen kleinen Straße entlang und beobachten so viele Kostbarkeiten, was das Lebensniveau in diesem südosteuropäischen Land betrifft, dass ich unzählige Fotos von der Straße, alten Auto-Kisten, besonders lachhaften herumfahrenden Gefährten und den kleinen Häusern zu schießen beginne und die freundlichen Ansässigen uns wohl sofort als Touristen einstufen müssten. Als wir so an einer Straßenecke eine Viertelstunde stehen bleiben und dem Treiben der Leute mit ihren lustigen Autos und klapprigen Fahrrädern zuschauen, werden wir jedoch zu unserem großen Erstaunen von einem der vielen vorbeifahrenden Taxis nach dem Weg gefragt und beginnen Ideen über eine Feldforschung hier in den Vororten von Novi Sad anstelle am Festivalgelände zu spinnen. Das Treiben hier an der Straße erscheint uns auf den ersten Blick interessanter als unser geplanter Forschungsbereich über die Organisation des Festivals. Ganz besonders erregt eine vom Baustil etwas muslimisch (oder einfach orientalisch) wirkende, jedoch christliche Kirche unsere Aufmerksamkeit, und wir können uns nicht einigen, ob sie orthodox, evangelisch oder doch katholisch sein soll. Was wir bei unserem sehr an dinglichen Sachen orientierten Feldforschungsbereich am Festival beachten sollten, ist, dass wir hier einen Kurs betreffend die "Wissenschaft vom Menschen" absolvieren und daher immer den Bezug von Aspekten in der Organisation und dem Aufbau des Festivals zum Menschen im Auge behalten sollten. Um 14 Uhr findet jetzt unsere erste Forschungsbesprechung mit Herrn Prof. Kaser in der Aula des Hotels statt.

Donnerstag, 6. Juli 2006, 1. Feldforschungstag

Die ganze Exkursionsgruppe fährt am Nachmittag gemeinsam mit dem City-Bus zur Burg Petrovaradin, also dem Festivalgelände, damit wir dort erste Eindrücke gewinnen und die Durchführbarkeit sowie Vorgehensweise unserer Feldforschungsthemen abchecken können. Schon um 15.30 Uhr den Eingang des Festivals zu passieren, ist für viele Dinge etwas zu früh, denn am Gelände dort sind außer Bediensteten des Festivals, die gerade die letzten Vorbereitungen treffen, noch kaum Besucher und somit "Forschungsobjekte" für viele unserer Forschungstrupps angekommen. Das Festivalgelände nach dieser Erkenntnis wieder zu verlassen, um bis zum frühen Abend z.B. eine Gaststätte aufzusuchen, ist nur mit großen Schwierigkeiten möglich, denn als eine Eigenart dieses Festivals ist es den Besuchern nur einmal pro Tag erlaubt, mit der EXIT-Eintrittskarte das Drehkreuz zu passieren. Die Kontrollen beim Einlass sind übrigens, jedenfalls um diese Tageszeit, alles andere als streng - eine Leibesvisitation findet für uns nicht statt. Stefan K., Stefan B. und ich haben mit unserem Forschungsthema, die Organisation und der Aufbau des Festivals, relatives Glück, denn für uns ist es kein Problem, schon zur Nachmittagszeit das Feld "in seiner Ruhelage" erforschen zu beginnen. Als eine Idee, wie wir mit der "Wissenschaft vom Menschen" in Verbindung bleiben könnten, ist, ein wenig auf das Eigentümliche der serbischen Kultur in der Festival-Organisation zu achten. Was uns als erstes abgeht, sind nur Getränke - Bier ist an den Standeln erst ab 18 Uhr erhältlich! Nichtsdestotrotz sind für uns schon zu früher Stunde viele Erkenntnisse möglich: Wir finden an "die (internationale) Jugendkultur" angepasste Sitzgelegenheiten aus Holzstämmen nahe dem Erdboden, in der Nähe der Haupt- und auch der Nebenbühnen große Anschlagtafeln mit den Auftrittsterminen der Musikbands, unzählig viele "Toi Toi"-Toiletten aus Kunststoff an mehreren Orten aneinandergereiht, wie sie auch bei Veranstaltungen in Österreich zu sehen sind. Anzumerken ist, dass es sich um keine "Luxus-Toi Tois" handelt, also ohne Waschbecken und Desinfektionsmittel. Weiters bemerken wir Erdlöcher und Wasserpfützen vor der Hauptbühne, an der um 16 Uhr ein "Fly Nite"-LKW mit unbekannter Ladung ankommt, sowie vereinzelt Leute auf Mopeds, die allem Anschein nach zum Informationsaustausch eingesetzt werden. Rotkreuz-Stationen machen wir mehrere ausfindig, dazu auch zwei Bankomaten direkt am Gelände, jedoch ohne Maestro-Funktion und somit für uns drei unbenützbar. Das Polizeiaufgebot ist schon vor Beginn des Festivals beeindruckend groß - wir sehen ein weißes "Policija"-Auto recht neuen Baujahres einfahren, viele Polizisten in kleinen Gruppen, auch mit Schlagstöcken ausgestattet, herumspazieren und etwa 20 von ihnen um 16 Uhr beim Eingang herumstehen. Besonders auffallend ist, dass (für unser Auge) ausnahmslos alle noch recht jungen Alters sind, die hier am Festival eingesetzt werden. Gleich ein Stück nach dem Haupteingang ist ein Plan des Geländes der Burg, ebenfalls an einer großen Tafel, angebracht - da er jedoch in serbischer Sprache ist, nützt er uns kaum. Werbetafeln am Gelände können wir oberhalb einer Nebenbühne sowie über dem langen Tunnel bemerken. Auf dem Platz vor einer Nebenbühne ist eine Verkehrstafel "Fahrverbot" aufgestellt, an die sich jedoch einer der Mopedfahrer nicht im Geringsten hält. Auch die auffällig alten Autos fahren am noch fast menschenleeren Gelände ziemlich schnell und hupen lieber als zu bremsen. Ganz am anderen (donauseitigen) Ende der Festung finden Stefan K., Stefan B. und ich schließlich ein Lokal, bei dem wir schon um 16.45 Uhr das dänische Bier des offensichtlichen Hauptsponsors des Festivals, Tuborg, genießen können. Zu unserer Freude kostet es nur 120 Dinar pro Flasche (also etwa 1,50 Euro) - ein Preis, der anscheinend an jene der Standeln des Festivals exakt angeglichen ist. Stefan K. scheint die Arbeitsmoral der jungen Kellnerin recht niedrig, da sie mehrfach seine weiteren Wünsche übersieht und sich in Gesprächen mit Kunden verliert.

Um 18.30 Uhr beginnt die erste Vorstellung auf der Main Stage, doch zum Auftritt von "Lara B" sind, wie ich gehört habe, verwunderlicherweise nicht mehr als 100 Zuhörer (auf einer Fläche für 35.000) erschienen! Wir drei halten uns im "Food Land" auf, dessen Stände mittlerweile geöffnet haben und Hot Dogs, Chinesisch, Mexikanisch und Palatschinken anbieten. Es gibt dort Probleme mit Wechselgeld, Nachschub und dem Kundenandrang - wenn man Mexikanisch essen möchte, wartet man eine Viertelstunde oder so. Die größten Probleme scheint aber der Stand mit "Quality Food" zu haben, denn er ist erst so gegen 21 Uhr in der Lage, irgendetwas auszugeben. Noch um 20.15 Uhr sehe ich recht wenige Besucher und kaum Müll am Boden herumliegen, denn es sind genügend Müllsäcke aufgestellt. Wir sitzen gerade mit der halben Exkursionsgruppe beisammen, auf gepolsterten Couch-artigen Sitzgelegenheiten im "Food Land". Um 20.45 Uhr sehe ich mir (nicht als Fan, sondern als neutraler Beobachter und Fesitval-Greenhorn) den Auftritt der "Cardigans" auf der Main Stage aus knapp 100 Meter Entfernung inmitten von großteils jubelnden und jungen Menschenmassen an, und als ich nach 30 Minuten weitergehen möchte, bemerke ich erst richtig, wie sehr sich mittlerweile das Gelände mit Besuchern gefüllt hat! Kurz danach komme ich in Konflikt mit drei Ordnern: Zuerst verstehe ich ihr Serbisch nicht, als ich den Wunsch habe, einen bestimmten Weg am Gelände einzuschlagen, doch schließlich höre ich: "One way"! Sie sind ständig bemüht, Leute in die andere Richtung zu weisen, um den "Verkehr" auf Grund der Auslastung nicht zusammenbrechen zu lassen. Als ich um 21.35 Uhr wieder die inzwischen beleuchtete Foto-Ausstellung passiere, werde ich Zeuge, dass gerade niemand da ist, der die Bilder beachtet und dass die Besucher einfach nur daran vorbei gehen. Ein Stück weiter gibt es ein Gebäude mit der Aufschrift "Museum 1780", doch die Security an der Eingangstür erklärt mir, dass das Museum jetzt geschlossen ist - stattdessen kann man sich darin eine EXIT-Exhibition ansehen. Kurz vor 23 Uhr treffen sich Stefan K., Stefan B. und ich wieder am vereinbarten Punkt vor dem Haupteingang. Draußen, nach dem Drehkreuz, sehen wir noch einen bei Weitem zu ausgelasteten Müllsack, um den herum sich schon ein ganzer Müllberg befindet. Unten an der Donau finden wir dann schnell und leicht ein Taxi, das uns gerne für billige 250 Dinar zurück in unser Hotel chauffiert und dessen des Deutschen mächtiger Fahrer uns seine Karte gibt und uns anweist, wir sollen uns morgen bei Bedarf wieder telefonisch mit dem Erkennungsnamen "die Generäle aus Österreich" (wie er uns nennt) melden...

Freitag, 7. Juli 2006, 2. Feldforschungstag

Nach einer Nacht zum Ausschlafen (zumindest was mich betrifft...) treffen wir uns alle im Anschluss an das Frühstück im Hotel zum ab heute täglich um 10 Uhr vormittags abzuhaltenden Treffen mit Prof. Kaser. Den Angaben zufolge hat keiner der Feldforschungstrupps Probleme mit der Durchführbarkeit seines Themas. Daher bekommen wir gleich an Ort und Stelle von Georg eine Einführung in die Software EYEWI, mittels derer unsere Feldforschungsfotos nach genauester Bearbeitung von uns in die Datenbank VASE (Visuelles Archiv für Südosteuropa) eingespielt werden können. Stefan K., Stefan B. und (mit ein wenig Teilnahme auch) ich sind damit heute bis etwa 13.30 beschäftigt. Den restlichen Nachmittag verbringen wir teils schlafend und teils (was mich betrifft) das Feldforschungstagebuch verfassend in unserem Zimmer. Da die beiden bis halb 6 nicht mehr aufstehen wollen, mache ich alleine einen halbstündigen Spaziergang in der Nachmittagshitze durch die umliegenden Sträßchen und bemerke nach Kauf einer Novi Sad-Stadtkarte, dass wir uns hier gar nicht in den Vororten, sondern nur etwas draußen in Richtung Stadtrand befinden. Zwei Serben erklären mir auch, dass diese weiße Kirche hier in der Nähe russisch-orthodox ("Pravozlav" oder so) ist. Um 18 Uhr befinden wir drei uns dann endlich im Zentrum von Novi Sad, wo es nicht ganz leicht ist, einen Maestro-Bankomaten zu finden. Die Innenstadt ist wirklich modern und schön - ich habe hier nicht das Gefühl, in Südosteuropa zu sein, denn es sieht fast so aus wie bei uns. Bei einer Pizzeria irgendwo im Zentrum essen wir (natürlich Pizza - mit kleinen, äußerst scharfen Pfefferoni) und ziehen einen Preisvergleich der Getränke zum Festivalgelände: eine Spur (etwa 20 %) trinkt man hier im Zentrum billiger. Die City-Busse (einer zumindest) fahren bis ganz in die Nähe des Haupteingangs zum Festival, zu dem gegen 21 Uhr, als wir ankommen, viele Leute hinströmen. Und draußen vor der Festung pfeifen Polizisten stundenlang den Verkehr in die Umleitung. Aber, was wir heute wieder versäumt haben, ist den Parkplatz zu fotografieren, denn nun ist es bereits zu dunkel. Andererseits haben wir aber schon so viel gesehen, dass mir heute nicht mehr so viel zu beobachten möglich scheint! Ich frage mich, worüber ich in den kommenden Tagen noch großartig berichten kann. Die Wartezeit am Haupteingang können wir heute genau zu einer optimalen Zeit (21 Uhr) messen: Da sich dort ungefähr 15-20 Drehkreuze befinden, ist man auch bei recht großem Andrang in 2-3 Minuten drin. Nach dem Drehkreuz findet heute (zu dieser Zeit) so etwas wie eine Leibesvisitation statt, die jedoch nicht sehr streng ausfällt. Stefan K.s kleines Täschchen wird zwar ziemlich genau durchsucht, doch obwohl vorm Eingang ein Schild mit Verbot für Kameras angebracht ist, hat seine kleine Kamera überhaupt kein Problem gemacht. Pikanterweise nicht einmal, als er vorm Eingang jenes Verbotsschild frecherweise fotografiert hat...! Darauf ist auch etwas sehr Ungewöhnliches zu sehen: ein Hakenkreuz!! Unvorstellbar für uns in Österreich! Darunter steht "No racistic symbols"... Hat man damit irgendwann einmal Probleme gehabt? Und warum ist man so frei, genau jenes bei uns tabuisierte Paradebeispiel für Rassismus zu verwenden? Die Benützung der WC-Anlagen können wir heute um diese Zeit auch messen: die Anlagen sind so zahlreich, dass die Wartezeit äußerst gering bzw. an manchen Stellen gleich Null ist. Süßigkeiten und Maiskolben werden auch zum Essen angeboten, und endlich bemerke ich ein paar Stände, wo man auch alkoholfreie Säfte wie Kirsche, Orange oder Apfel-Lemon bekommen kann. Während Stefan B. "mit Geld um sich schleudert" (Stefan K.), notiere ich mir im "Food Land" die genaue Abfolge der Standeln: Popcorn, Pommes, Pizzastücke, Chinesisch, Mexican food, Sandwich, (auf der gegenüberliegenden Seite das "Doncafé"), Chips, Palatschinken, "Quality Food" (Schrimps und andere Fischspeisen), allerhand Gegrilltes und ein Bierstand (mit der Aufschrift "Tuborg"). Mir kommt die Idee, wir sollten auch auf Verbesserungen in der Festivalorganisation im Laufe dieser vier Tage achten. Die Müllsäcke z.B. sind heute schon um 21.30 Uhr mehr als voll, und um 23 Uhr quillen alle bereits restlos über, doch an manchen Stellen sehe ich bereits einen zweiten, dritten oder vierten daneben aufgestellt, die aber auch schon voll sind. Als ich um 22.30 Uhr wieder diese Fotoausstellung passiere, erblicke ich nun etwa 10 Leute, die sich diese Fotos anschauen, und auch eine Dame, die jemandem ein bisschen davon erklärt. Ich denke, dass heute mehr Leute am Festival sind - es ist ziemlich eng auf den Durchgangswegen. Und länger als bis dreiviertel 12 bleiben wir auch heute nicht - zu fünft setzen wir uns in ein kleines Zastava-Taxi mit einem Baujahr von wohl Ende der 60er Jahre, das uns mit wackeligen Achsen auch für nur 200 (vorher ausgemachte) Dinar zurück in unser Hotel chauffiert.

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hurricane

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Re: Arschlöcher
« Antwort #4 am: Oktober 13, 2012, 01:21:23 Vormittag »
Samstag, 8. Juli 2006, 3. Feldforschungstag

Wie immer Frühstück um halb 10 und anschließend (um 10 Uhr) die "Ansprache" unseres Herrn Prof. Kaser. Auch heute stellt sich ein gewisser "Mangel" an Problemen in den Forschungsgruppen heraus, sodass wir bald zur Diskussion über den Inhalt unseres letzten Tages in Novi Sad (am Montag) überwechseln können. Seltsamerweise sind heute "ungefähr alle" dafür, dass wir am Montag einen Ausflug in die Fruska Gora und nach Karlovci machen werden. Ich bin auch nicht abgeneigt, denn dort kann man sicher auch etwas vom Lebensstil der Landbevölkerung erkennen, so hoffe ich. Was unser eigentlich ganz passables Zimmer im Hotel betrifft, lässt nur die Putzleistung des Personals sehr zu wünschen übrig. Ein Staubsauger für Teppichböden scheint hier im Haus nicht vorhanden zu sein, und im Badezimmer steht seit zwei Tagen das Wasser und quillt unter einer Gummimatte hervor. Wir, die "Gruppe Organisation", verbringen den heutigen Nachmittag mit einigen KollegInnen der Gruppe "Sex, Drugs and Rock'n Roll" im Stadtzentrum. Briefmarken für unsere Postkarten bekommt man hier scheinbar nur bei der Post - und dort sind die Beamtinnen ganz im Gegensatz zu unserem allgemeinen Eindruck über die Freundlichkeit der Menschen hier in Serbien alles andere als zuvorkommend und nett. Auch wenn eine ganze Reihe Leute schon am Schalter wartet, wird z.B. eine Minute vor Ende der Mittagspause kein Finger gerührt. Unter den Schatten spendenden Schirmen eines der vielen Lokale in der Nähe des vermeintlichen "Hauptplatzes" finden unsere Kollegen mit zwei als Krankenschwestern mit sehr knappen Röcken verkleideten Kellnerinnen ein gefundenes Fressen. Sie dienen als Werbung für den Energy Drink Flash Power. Überhaupt sind hier in Novi Sad ganz allgemein die Röcke der Frauen deutlich kürzer als bei uns in Österreich. Bei unserem Essen in einem Gastgarten hat einer unserer Kollegen Probleme, ein geeignetes WC mit Licht und Verriegelung zu finden. Im Supermarkt "Delta Maxi" in der Innenstadt gibt es an den Kassen zu meiner großen Überraschung hochmoderne Flachbettmonitors zur Anzeige der bereits bezahlten Waren usw. Die Preise werden mit zwei Kommastellen ausgewiesen, jedoch bezahlt man immer auf Ganze gerundete Preise. Der Supermarkt ist nicht sehr groß, doch der größte, den wir bis jetzt gesehen haben. Ansonsten gibt es sehr viele ganz kleine Lebensmittelgeschäfte, wie sie bei uns seit etwa 15 Jahren aussterben. Als wir von dort um etwa 16 Uhr mit dem Bus zurück in unser Hotel fahren wollen, warten wir 20 Minuten vergeblich auf die Linie 9, obwohl deren Fahrzeiten auch an dieser Haltestelle ausgewiesen sind. Ich vermute, dass dies für alle Linien an allen Haltestellen oder so der Fall ist. Schließlich riskieren wir eine Fahrt mit der Linie 6, die laut Stadtplan ebenso in unsere Richtung fahren müsste. Dem ist auch so, nur werden wir nach Sichtung eines Richtungsschildes "Hotel Duga" an einer Haltestelle nervös und springen zu früh aus dem Bus heraus, wodurch wir einen längeren Fußweg machen müssen, der uns genau zu jener besonderen weißen, russisch-orthodoxen Kirche führt, von der aus es ganz leicht ist, nach Hause zu finden. Den frühen Abend verbringen wir auf der Veranda unseres Hotels mit etwas kräftigeren Kostbarkeiten, wodurch unsere Gruppe stetig anwächst, bis sie schließlich knapp die Hälfte der Exkursionsmannschaft erfasst. Danach, erst nach 9 irgendwann, geht's ab zum Festival. Schon von der Brücke aus, über die man mit dem Bus Nr. 9 hin zur Festung Petrovaradin gelangt, sieht man ein Schild "State of EXIT" an der Festungsmauer angebracht. Und auch an allen Bushaltestellen der Stadt findet man einen Plan des Festivalgeländes sorgfältig aufgehängt. Auf jener Zufahrtsbrücke sieht man massenweise Fußgänger und auch Autos sich zur Festung hinbewegen - letztere werden von Polizisten mit Pfeifen entlang der Donau umgeleitet. Öffentliche Shuttle-Einrichtungen zum Festival sind nicht eingerichtet, dafür reichen die City-Linienbusse Nr. 3 und 9 aus, die fast genau beim Haupteingang stehen bleiben. Ihre Taktung beträgt 12 bis 20 Minuten, wie wir an den Haltestellen ablesen können, und sie verkehren von viertel 6 am Morgen bis etwa 23.30 Uhr. Außerdem gibt es jede Menge an billigen Taxis. Binnenshuttles am Festivalgelände sind nicht vorhanden, dafür sind wohl die Wege zu schmal. Und da das komplette Burggelände zum Zwecke des Festivals verwendet wird und sich überall Stände und Bühnen befinden, würde es auch wenig Sinn machen, motorisiert weite Strecken zurückzulegen. Fluchtwege sind keine zu sehen, denn an vielen Stellen würde man einfach tief fallen. Diese Abgründe sind durch stabile und über zwei Meter hohe Gitter gesichert, dazu gibt es auch in gewissen Abständen Warnschilder vor dem Abgrund. Auch der schmale Nebeneingang nahe der Main Stage scheint nicht als Fluchtweg vorgesehen zu sein. Die Security sind in drei Farben gekleidet: jene mit grünen T-Shirts arbeiten an den Drehkreuzen am Haupteingang, die mit roten T-Shirts stehen an Absperrungen und weisen die Besucher in die richtige Richtung, und schwarz gekleidete Security machen so wie viele Polizisten Patrouille am ganzen Gelände. Alles in allem sind Stefan K., Stefan B. und ich am heutigen kürzeren Besuch am Festival (bis gegen halb zwölf) von der Organisation des Festivals recht begeistert, da es z.B. weder am Eingang, an den Toiletten oder am Bier-Verkauf zu größeren Wartezeiten kommt. Einige Probleme diesbezüglich am ersten Tag scheinen behoben zu sein.

Sonntag, 9. Juli 2006, 4. und letzter Feldforschungstag

Bei unserem 10-Uhr-Treffen weist uns Herr Prof. Kaser darauf hin, wir sollten uns bewusst sein, dass heute der letzte Festival-Tag ist und wir unsere Arbeit abschließen müssen: "Heute muss alles ins Kast’l". Nach einem sehr deftigen nachmittäglichen Essen in der Nähe unseres Hotels, bei dem 4 äußerst freundliche SerbInnen (Kellner und Gäste) vonnöten sind, uns die nur in Serbisch (und Kyrillisch) gehaltene Speisekarte zu erklären, bewegen wir uns um 17.30 Uhr mit dem Bus in Richtung Festivalgelände, denn wir haben bis zum abendlichen Fernseh-Pflichttermin, das Fußball-WM-Finale Italien gegen Frankreich, nicht viel Zeit. Heute sind wir zu viert unterwegs, denn ein (der serbischen Sprache mächtiger) Kollege der Forschungsgruppe "Sex, Drugs and Rock'n Roll" begleitet und unterstützt uns freundlicherweise. Unser erster und wichtigster Programmpunkt für heute ist der Festival-Campingplatz, der doch recht weit vom Festivalgelände entfernt liegt - auf der anderen Seite der Donau, zu Fuß mindestens 15 Minuten! Dort herrscht um etwa 18.30 Uhr viel Stimmung: mit Musik, in der Donau badenden Gästen, umgeben von Speise- und Getränkeständen sowie ausreichend "Toi Toi"-Toiletten. Ich würde den Campingplatz als einen eigenen, besonderen Festivalbereich bezeichnen. Es gibt dort auch Händler für EXIT-T-Shirts (ich kaufe mir ein rotes für 400 Dinar, also etwa 5 Euro), EXIT-Hüte und Buttons von Musikgruppen. Und einen scheinbar wenig verwendeten Fahrrad-Verleih (Rent a bike) - vielleicht, weil die Preise recht hoch sind: pro Tag bezahlt man 1.000 Dinar, für 4 Tage 3.000 Dinar und für eine Stunde 150 Dinar. Dafür handelt es sich jedoch um scheinbar neuwertige Fahrräder. Sonderbar am recht voll belegten Campingplatz scheinen mir die kleinen schwarzen "Tuborg"-Einmannzelte, die alle an einem Eck aufgestellt sind. Am Campingplatz fragen wir auch ein paar Polizisten, ob wir von ihnen ein Foto machen dürfen - sie erklären uns jedoch, dass dies nicht erlaubt ist. Besonders auffallend ist aber ihre ausgesprochene Freundlichkeit und Geduld im Vergleich zu österreichischen Polizisten, aber auch ihre guten Englischkenntnisse im Vergleich zu anderen Bürgern von Novi Sad. Genau dieselbe Erfahrung in puncto Freundlichkeit mache ich mit weiteren ungefähr 7 Polizisten, die ich heute, den Verkehr zum Festival betreffend, Fragen stelle - als einzige Ausnahme kann einer von ihnen kein Englisch sprechen. Jedenfalls kann ich folgendes erfahren: es stimmt, dass die City-Linienbusse 3 und 9 zum Festival hin fahren, die pfeifenden Polizisten nach der Brücke leiten die Autofahrer der Donau entlang um (hier geht es zu keinem besonderen Parkplatz) - Parkmöglichkeiten für Festivalbesucher sind einfach an mehreren Orten in der Nähe der Festung Petrovaradin vorhanden - und diese Umleitung geradeaus in Richtung Haupteingang zum Festival passieren dürfen nur Anrainer und VIPs. Was mir (während die beiden Stefans oben am Festivalgelände noch ein paar Schnappschüsse erledigen) aber noch besonders am Herzen liegt, ist diesen am Plan für die Festung Petrovaradin und das Festivalgelände extra ausgewiesenen "Car Park" auf der anderen Seite der Festung ausfindig zu machen. Dahin scheint es sehr weit zu sein, doch unser "fremder" Kollege aus der anderen Gruppe begleitet mich so treu wie Sancho Pansa seinen Herrn Don Quijote auf meiner Wanderung. So verrückt und spaßig diese auch ist, als wir (ich) jeden Polizisten, den wir antreffen, um Auskunft fragen - nach einer halben Stunde in eine Richtung und ungünstigen Entfernungsprognosen sowie Zeitknappheit (es ist bereits 19.45 Uhr) müssen wir sie abbrechen und versuchen am Rückweg zum Haupteingang wenigstens den schon zuvor bemerkten kleineren Parkplatz ein wenig zu analysieren. Und zwar sind Alter als auch Marken der Fahrzeuge recht bunt gemischt - neben einheimischen, sehr alten Yugos und Zastavas, gibt es vor allem auch etwas ältere (1980er) deutsche (VW und Opel) und französische Autos (Renault, Peugeot). An tendenziell neueren Marken sind Skoda, Ford und eine bunte Mischung aus "Japanern" vorhanden. Mein Gefährte ist auch in der Lage, mir den Hinweiszettel (einfach an einem Mast angeschlagen) vom Serbischen ins Deutsche zu übersetzen. Nachdem wir oben beim Haupteingang die beiden Stefans noch einmal treffen, stellen wir in einer kleinen abschließenden Runde noch fest, dass es neben der nicht allzu großen Main Stage weitere 11 knapp halb so große Nebenbühnen gibt und dass eine kulturelle Einbindung dieser historischen Festung für das EXIT-Festival so gut wie gar nicht stattfindet und sie daher kaum zu Repräsentationszwecken verwendet wird. Als einzigen besonderen Vorteil der durch die Burg erhöhten Lage des Festivals (zu dem laut Information unseres Prof. Kaser insgesamt 140.000 Besucher erschienen sind, also etwa 35.000 pro Tag) bemerken wir die allgemeine Augenscheinlichkeit des Veranstaltungsortes von Weitem und von allen Richtungen aus. Zurück in unser Hotel geht's heute mit dem Bus, da wir vermeintlich noch genügend Zeit haben - aber dort angekommen muss ich mit Bedauern feststellen, dass das Fußball-WM-Finale Italien gegen Frankreich entgegen meines Wissens bereits um 20 statt 21 Uhr angepfiffen wurde und schon einige von unserer Exkursionsgruppe in der Hotel-Aula vor dem großen Fernsehbildschirm sitzen. Trösten kann mich aber der unentschiedene Halbzeitstand von 1:1, das um 30 Minuten verlängerte Spiel mit einer Entscheidung erst im Elferschießen und dass der Pokal endlich mal wieder nach Italien wandert.
HEIMREISE:
Montag, 10. Juli – Dienstag, 11. Juli 2006

Bevor wir die Heimreise antreten, fährt die ganze Exkursionsmannschaft am Montagnachmittag mit einem gemieteten Bus in die Fruska Gora, das Umland von Novi Sad, um dort zwei an stillen und ruhigen Orten gelegene orthodoxe Klöster zu besichtigen, und für ein Abendessen mit Spaziergang in die Stadt Karlovci, in der die Habsburger 1699 mit den Osmanen den „Frieden von Karlowitz“ geschlossen haben. Das ländliche Serbien zeigt sich in dieser Gegend als sehr grün und hügelig, viele der Häuser der dort lebenden Menschen sind nicht so ärmlich, wie ich angenommen hatte, und in einem Kloster können wir Mönchen bei sehr gemächlichen Mäharbeiten in der Idylle zusehen. In der nicht sehr groß wirkenden Stadt Karlovci sticht die Unreglementiertheit des „serbischen Lebens“ im Vergleich zu Österreich hervor: Kinder spielen mit dem Ball mitten auf der Straße, und bei den vielen sehr alten Autos, die an unseren Tischen unter Sonnenschirmen vorbeifahren, scheint es keine strengen Sicherheitsvorschriften zu geben. Alles was zählt, scheint die Fahr- und Funktionstauglichkeit zu sein...

Abends am Bahnhof in Novi Sad dann erstaunt uns (das „serbische Leben“ betreffend), wie ein Haufen junger Leute nach einer Lautsprecherdurchsage den Bahnsteig einfach quer über die Gleise wechselt, was man am Grazer Hauptbahnhof niemals sehen und wagen würde. Unser Zug, der um 21.23 kommen sollte, hat etwa 20 Minuten Verspätung, und ich glaube, dies wurde nie durchgesagt. Als wir nach einer einstündigen Fahrt dann in Stara Pazova (oder so) auf unseren Anschlusszug warten, wissen wir stundenlang nicht, wo er bleibt, bis er dann schließlich um 1 Uhr morgens mit 2 ½ Stunden Verspätung auftaucht. Auch hier gibt es Interessantes zu beobachten: Hörbar slowenische Jugendliche (die vermutlich ebenfalls vom EXIT-Festival nach Hause reisen) schlafen seelenruhig am Bahnsteig zwischen den Gleisen am Boden, und viele von ihnen sitzen die ganze Zeit auf (!) dem ersten Gleiskörper zusammen und feiern ein bisschen. Nicht einmal eine arm aussehende ältere Frau, die in einem Bahnhofswarteraum aus uns nicht verständlichen Gründen wütet, eine Scheibe einschlägt und immer wieder lauthals mit den Jugendlichen schimpft, wird von einem Bahnhofsbediensteten in irgendeiner Form zurecht gewiesen. Doch unser Tageshöhepunkt wartet erst im um 1 Uhr endlich ankommenden Zug Richtung Zagreb und Slowenien: er ist dermaßen überfüllt, dass unsere reservierten Plätze großteils längst von anderen Menschen eingenommen sind und es kaum jemandem von uns gelingt, sie wieder frei zu bekommen. Bei zwei Slowenen sehe ich dies klappen, doch weder Herr Prof. Kaser mit seinen scheinbar recht guten Serbokroatisch-Kenntnissen, geschweige denn ein Kollge oder ich mit unserem Englisch, auf das wir keine Antwort bekommen, sind in der Lage, drei Bosnier (und zwei Bosnierinnen), die sich standhaft weigern, ihren Platz wieder herzugeben und stattdessen so wie wir am total überfüllten 80 cm breiten Gang Platz zu nehmen, aus einem für uns zur Gänze reservierten Abteil zu vertreiben. Da helfen nicht einmal Prof. Kasers Vorweisen unserer Tickets mit Reservierung oder seine „Policija! Policija!“-Rufe. So bleibt für etwa 11 von uns nichts anderes übrig, als es uns an diesem engen Gang irgendwie einzurichten, ohne dass wir eine Ahnung haben, wie wir diese Tortur bis sieben oder neun Uhr morgens aushalten sollen. Einige von uns setzen sich auf ihre Koffer und stehen manchmal auf, und in dieser Situation sind wir froh, ein zu öffnendes Zugfenster zu haben, und ich verstehe nun den Lärm der Briten bei der Anreise am Gang des Zuges – was einem bei diesen Qualen noch bleibt, sind Galgenhumor und andere Späße, denn lachend erträgt man sie leichter. So können es sich ein Kollege und ich nicht verkneifen, die aus unserer Sicht unfairen Bosnier in dem Abteil, vor dem wir stehen, hin und wieder durch lautes Anklopfen und einmal durch Einschalten des Lichtes in ihrem Abteil ebenfalls am Schlafen zu hindern. Ich ernte dafür den „Stinkefinger“. Immerhin gibt es für sie andere Regeln als bei uns – sie waren es, die als erste diesen Platz gefunden haben. Der Spuk des Stehens (in einer Situation wie fast auf der sinkenden Titanic) endet für mich jedoch glücklich, als gegen dreiviertel 4 ein Platz im Nebenabteil frei wird und keiner meiner KollegInnen, denen ich ihn anbiete, ihn für sich in Anspruch nehmen will und ritterlich zurückweist. Dort finde ich sitzend ein wenig Schlaf und versäume, wie weder der Schaffner noch die Polizisten bei der Passkontrolle an der serbisch-kroatischen Grenze gegen die „Reservierungsdiebe“ vorgehen und wie die lange Nacht meiner KollegInnen weiter verläuft. Unser Anschlusszug in Zagreb ist bei der Verspätung, die wir mittlerweile aufgerissen haben und die in diesen Gegenden scheinbar ganz alltäglich ist, natürlich weg, doch gibt es irgendwo in Slowenien für uns einen anderen Zug, in den wir umsteigen und der uns auch schon um 13.48 (pünktlich; statt um halb 12) in Graz Hauptbahnhof einfahren lässt.

Zusammenfassend hat mich Serbien positiv überrascht, vor allem in puncto Modernität (wie die Stadt Novi Sad, und dort vor allem das Stadtzentrum, das sich kaum von „westeuropäischen Städten“ unterscheidet) und die Freundlichkeit der dort lebenden Menschen. Törichterweise habe ich mit Bildern von vielen kroatischen und anderen ehemaligen Flüchtlings-Jugendlichen vom Balkan aus den Grazer Straßenbahnen im Kopf „ruppigere“ Umgangsweisen erwartet. Vor allem die Polizisten sind mir dabei positiv aufgefallen - nicht einen einzigen habe ich getroffen, der unfreundlich oder grantig zu mir gewesen wäre. Wer weiß, vielleicht ist es einige Jahre nach Kriegsende ihre Mission, sich für die Menschen einzusetzen anstatt autoritär auf sie herabzusehen, wie es in Österreich vorkommen soll. Oder, die Menschen haben einfach einen anderen Bezug zur Rechtsstaatlichkeit. Des Weiteren erscheint das Land einigen (männlichen) Kollegen und mir auf den ersten Blick ein bisschen wie ein „Schlaraffenland“ aufgrund der vielen Frauen, die in Novi Sad um ein "sexy Aussehen“ bemüht sind, ohne aber viel über die Konsequenzen dieser Erscheinung nachzudenken. Auch die niedrigen Preise vieler Dinge gehören hier erwähnt. Und der Modernität entgegen stehend haben mich auch die so zahlreichen Autos ungemein alter Baujahre (1960er und 1970er) in Verzückung gesetzt. Was die Organisation des EXIT-Festivals betrifft, ist es für mich, neben der verblüffenden Polizeipräsenz, letzten Endes (aufgrund der sonstigen Gemächlichkeit des serbischen Alltagslebens) eine Überraschung, dass das Festivalgelände scheinbar so gut durchdacht und die Pläne so konsequent und erfolgreich umgesetzt worden sind. Beim Abschreiten des so gut angelgten Campingplatzes für die Gäste sieht man auch gerne darüber hinweg, dass er doch recht weit entfernt liegt. Der hauptsächliche Nutzen unserer Exkursion besteht für mich darin, einmal die Erfahrung zu machen, in einer Feldforschungssituation zu sein, um zu erkennen, mit welchen Schwierigkeiten man zu rechnen hat. Begleitend kommt hinzu, ein bisher unbekanntes Land in einer Region, in die man nicht so oft auf Urlaub fährt, ein wenig kennen und schätzen gelernt zu haben.
das Leben ist ein Zuckerschlecken!

juti

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Re: Arschlöcher
« Antwort #5 am: Oktober 13, 2012, 08:57:04 Vormittag »
Na ihr?

Ist ja blöd, dass das nicht geklappt hat...aber das Exit war dieses Jahr vokm 12.-15. Juli, wenn ich das mal anmerken darf...(außer es ist nächstes Jahr zum genau gleichen Datum...) :)

Wir haben ja schon aufm Sziget überlegt, vielleicht nächstes Jahr mal alternativ das Volt (kürzer, günstiger, nicht weit von Wien entfernt) zu machen...um dann im Jahr drauf wieder aufm Sziget voll durchzustarten...mal sehn...

Erstmal steht der lange harte Winter bevor...mit Indoor Konzerten...;)

Apropos, jemand Lust auf Rantanplan nächsten Freitag hier in Hamburg (Molotow)? Hab noch zwei Karten zu viel...

 

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